Das Team von Legend Espresso, ein Startup des Netzwerks your.company (©your.company)

Tinder für Innovation: Biete Idee, suche Umsetzer

Autor: Nicole Thurn
Datum: 01.12.2023
Lesezeit: 
3 Minuten

Die Netzwerk-Organisation your.company bringt Freelancer, ExpertInnen und InvestorInnen zusammen - und liefert die Infrastruktur, um die Produktideen ohne GmbH umzusetzen. Wie das geht, erzählt Martin Zobel von Your.Company.

Müsste man mal machen!" Hattest du schon einmal eine richtig gute Idee, mit dem Nachsatz: "Puh, zu anstrengend - alleine schaffe ich das nicht"? Kein Wunder, denn: ein Startup zu gründen, ist eine ganz schöne Hürde. Man braucht Co-GründerInnnen, in der Regel ein schönes Sümmchen an Startkapital, Investoren. Produktentwicklung, Business Development, Marketing, die gesamte Infrastruktur, um all das ins Laufen zu bringen: all das kostet den GründerInnen viel Geld, Zeit und Nerven.

Die Netzwerk-Organisation your.company will die Lösung für diese Innovationsblockade gefunden haben: denn die Online-Plattform bringt Kreative, UmsetzerInnen und Investoren in sogenannten Produktpartnerschaften zusammen, um an gemeinsamen Produkten zu arbeiten. Im Grunde sind das Startups, nur ohne klassische GmbH-Gründung. Martin Zobel, Co-Gründer von Your.Company, erzählt im "Arbeit mal anders"-Podcast, wie es möglich ist, über Produktpartnerschaften die Entwicklung innovativer Produkte zu beschleunigen - mit einem Bruchteil an Ausgaben, die ein klassisches Startup aufwenden müsste. Für nur 400 Euro Mitgliedschaftsbeitrag pro Jahr stellt your.company die gesamte Infrastruktur von Webseite und Marketing bis zur Buchhaltung zur Verfügung.

your.company nutzt also das Prinzip der Sharing Economy mit dem Collaboration-Gedanken - "ähnlich wie in einer Band: man arbeitet gemeinsam dran, glaubt den Erfolg und ist gleichberechtigt", erklärt Martin Zobel, selbst langjähriger Musiker. Über die Online-Plattform können IdeenbringerInnen nach Teammitgliedern suchen und sogenannte Produktpartnerschaften gründen. "Die bestehen dann aus zehn, fünfzehn Leuten, die projektbezogen miteinander arbeiten", sagt Martin Zobel. Das Besondere: es gibt keine Chefs. "Die Leute arrangieren ihre Zusammenarbeit unterschiedlich. Wichtig ist das Beraterprinzip: Das letzte Wort zu einer Entscheidung hat der Experte oder die Expertin auf dem jeweiligen Gebiet", erzählt er in der Podcast-Folge. Your.Company baut auf intrinsische Motivation: "Alle, die sich einer Produktpartnerschaft anschließen, machen das nicht wegen des Geldes - sondern weil sie von der Idee überzeugt sind und das Produkt voranbringen wollen", sagt er. Viele ProduktpartnerInnen seien Freelancer, aber auch Angestellte, die abseits ihres Jobs ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen wollen.

Stichwort Geld: Ein klassisches Gehalt erhalten die ProduktpartnerInnen nicht - sie werden aber am Gewinn beteiligt. "Nach Absprache kann der Gewinnanteil auch schon vorzeitig monatlich mit einer fixen Summe ausgeschüttet werden", so Martin Zobel. Festgelegt wird das allerdings im jeweiligen Team. In Wertschätzungsrunden und mithilfe eines von ForscherInnen der Universität Tübingen entwickelten Algorithmus werden Leistungspakete in ein Punktesystem äquivalent zum Euro übersetzt. So wird Leistung in Geld verrechnet - alles in gemeinsamer Abstimmung im Team. Der Algorithmus soll mit der Zeit lernen, welche Leistungspakete wieviel Wert sind und das auch anderen Produktpartnerschaften als "New Pay* Modell" vorschlagen. Martin Zobel hat selbst zwei Produktpartnerschaften gegründet: am ersten Prototypen zu seiner Idee "Legend Espresso", eine nachhaltige Espressomaschine mit funktionalem Design, sind insgesamt 14 Leute, - IngenieurInnen, Techniker, DesignerInnen - beteiligt. Mit "analogvibes" bietet der passionierte Musiker ein DIY-Paket für das eigene Tonstudio an.

Die Produktpartnerschaften sind sogenannten UG, also Tochtergesellschaften von your.company. Die Mitarbeitenden von Your.Company selbst sind auch nicht angestellt, sondern beteiligt. Einziger Unterschied: your.company ist Verantwortungseigentum - alle Gewinne, die nicht als Gehalt ausgezahlt werden, werden wieder ins Unternehmen reinvestiert.

Im Podcast-Interview (siehe Links oben zum ersten Teil) tauchen wir ein, wie die Zusammenarbeit auf Augenhöhe ohne Chefs bei your.company und in den Tochter-Startups funktioniert, was die Mitarbeitenden antreibt, in ihrer Freizeit an den Produktpartnerschaften zu arbeiten und warum Martin Zobel glaubt, dass die Zukunft der Innovation in solchen Netzwerken liegt. Übrigens ist your.company im franzWERK in Tübingen angesiedelt - ein Coworking Space, der von der Community für die Community betrieben wird. Auch davon erzählt Martin Zobel.

Und weil uns der Stoff fürs Reden nicht ausgegangen ist, haben wir den Folge auf zwei Teile aufgeteilt - den Link zu Apple Podcasts, Spotify und Soundcloud findest du oben (und überall, wo es Podcasts gibt, einfach nach "Arbeit mal anders" suchen).

Vielen Dank an HR-Software-Dienstleister Personio, der diese Podcast-Folge ermöglicht hat!

Mehr zu Personio findest du hier: www.personio.de

*New Pay = neue Gehaltsformen und -schemata abseits klassischer Tarif- und Kollektivverträge

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Beitrag von Nicole Thurn

ist Herausgeberin von Newworkstories.com, New-Work-Enthusiastin und langjährige Journalistin mit einem kritischen Blick auf die neue Arbeitswelt.

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