© Seniorenwohnhaus Nonntal
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New Work in der Pflege: das Seniorenhaus Nonntal macht es vor

Kategorie:
Autor: Nicole Thurn
Datum: 16.12.2022
Lesezeit: 
2 Minuten

Im Seniorenwohnhaus Nonntal in Salzburg wird Neues Arbeiten gepflegt: Die Teams entscheiden vieles selbst. Dafür erhielt die Einrichtung den Modern Work Award 2022. Wie geht der Wandel zu mehr Selbstverantwortung?

Enormer Arbeitsdruck, Überlastung des Personals,  hohe Fluktuation: die "Great Resignation" hat nun auch die Pflegebranche erfasst. Während die einen Einrichtungen in den Personalmangel schlittern, finden die anderen Lösungen: wie das Seniorenwohnhaus Nonntal, das mit dem Modern Work Award 2022 in der Kategorie "Modern Work Performer" ausgezeichnet wurde. "Wie die Stimmung im Team ist, wie wir miteinander reden, das haben wir als Pflege selbst in der Hand. Ich appelliere an alle: denkt nach, wie ihr mit den Mitarbeitenden umgeht und wie ihr Arbeit organisiert", sagt der Leiter des Hauses, Christian Kagerer.

Vor fünf Jahren hat er gemeinsam mit Pflegedienstleiterin Heidi Hager und der Belegschaft den Kulturwandel eingeleitet, vor drei Jahren nach der Übersiedlung in das neue Haus ging er so richtig los. Inzwischen sind alle Teams größtenteils selbstorganisiert und entscheiden eigenverantwortlich. Ein wichtiger Fokus im Umgang miteinander liegt in der gewaltfreien Kommunikation.

„Wir sind nicht mehr die großen Macker, wir sind Sinn-Manager."

Christian Kagerer, Leiter des Seniorenwohnhauses Nonntal

Auch die Rolle der beiden Führungskräfte hat sich geändert.  „Wir sind nicht mehr die großen Macker, wir sind Sinn-Manager. Wir sehen uns als Befähiger und Coaches“, sagt Kagerer. Und fügt hinzu: „Das machen wir nicht aus Jux und Tollerei – sondern weil wir glauben, dass Entscheidungen gemeinsam immer besser sind und an der Basis getroffen sollten – da, wo sie entstehen.“ Seither haben die Mitarbeitenden viel umgesetzt, „es entstehen viele Dinge, ohne unser Zutun." Beispielsweise eine Mitarbeiterzeitung. Die Teams testen auch eine App zur besseren Kommunikation und wenden die "Five to Fold"-Methode an.

Take-Away: Die Five to Fold Methode hilft bei Abstimmungen in Entscheidungsprozessen. Statt nur "Aufzeigen" für ein JA stehen fünf verschiedene Handzeichen zur Wahl. Fünf Finger bedeuten volle Zustimmung und die Bereitschaft, sich führend zu engagieren. Die Faust aufs Herz ist ein schwerwiegender Einwand, weil man einen Schaden für die Organisation befürchtet.

Allerdings: „Es braucht Zeit, bis die KollegInnen mit ihrem Freiraum anfreunden und sich auch trauen, Neues zu initiieren“, sagt Christian Kagerer. Wichtigster Rahmen dabei war: „Wir haben kleine Teams mit sieben bis acht Personen. Diese Vertrautheit ist wichtig, um Ideen unter den KollegInnen zu diskutieren“, sagt er.

Im Seniorenwohnhaus scheint sich die zunehmende Selbstorganisation der Teams auszuzahlen: "Wir hatten schon vorher eine sehr gute Situation - wir spüren aber eine deutliche Zufriedenheit von BewohnerInnen und Mitarbeitenden. Die MitarbeiterInnen haben sich in ihrer Verantwortung sehr entwickelt. Sie müssen nicht auf alles eine Antwort haben, aber sich zuständig fühlen oder die Aufgabe an die zuständige Person weitergeben", sagt Heidi Hager. "Die Aussage, ,ich bin dafür nicht zuständig', gibt es bei uns nicht." Auch Christian stimmt zu: "Wir sind happy, wie es derzeit läuft", sagt er.

Im Podcast-Interview erzählen Christian Kagerer und Heidi Hager über ihren gemeinsamen Weg in Richtung Selbstorganisation.

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Beitrag von Nicole Thurn

ist Herausgeberin von Newworkstories.com, New-Work-Enthusiastin und langjährige Journalistin mit einem kritischen Blick auf die neue Arbeitswelt.

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