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Gemeinsam ist besser als einsam oder: Hilfe, ich gründe eine Community!

Autor: Nicole Thurn
Datum: 20.12.2022
Lesezeit: 
5 Minuten

Die neue Arbeitswelt gemeinsam gestalten: das will ich mit dem NewWorkStories Hub für Multiplikator*innen bieten. Mit dem Software-Anbieter coapp mache ich erste Schritte in mir unbekanntes Terrain.

Der Gedanke kam mir, wie sollte es auch anders sein, während eines Lockdowns. Keine Ahnung, ob es der dritte, vierte oder x-te war. Wie bei vielen anderen fühlen sich die vergangenen 2,5 Jahre an, als wäre ich gerade aus einem Wurmloch einer anderen Dimension gefallen. Tatsache ist: ich will Menschen, die sich mit New Work beschäftigen, zusammenbringen!

Der gelockdownte Mensch per se hat an Übervereinsamung und Unterentspannung gleichermaßen gelitten. Und alles, was die neue Arbeitswelt ganz sicher nicht braucht, sind Menschen, die sie vorantreiben sollten, aber entkräftet ihr Quiet Quitting auf der Couch zelebrieren. Jetzt muss in die Hände gespuckt werden, der Wandel soll vorangetrieben werden, abseits von Bullshit und Buzzword Bingo Spielen geht es jetzt um die Wurst. Und dafür brauchen wir die drei I: Inspiration, Ideen, Innovation.

Ich, die immer dachte, dass es besser ist, alles allein zu schaffen, erkannte zusehends: allein kommt man nicht weit. Man wird selten von den eigenen Gedanken inspiriert oder den eigenen Taten bereichert. Und ganz ohne Feedback fühlt sich doch alles irgendwie schal an. Gerettet haben mich während der Pandemie unzählige YouTube-Videos mit Interviews und TED-Talks (my guilty pleasure: ich hab einen schrägen Hang zu Nahtoderfahrungsberichten entwickelt ;-)) und diverse Bücher. Und darüber hätte ich gern mit Menschen spontan geredet und reflektiert. Ich habe mit anderen gesprochen und gemerkt: auch ihnen geht es so. Sie sind Einzelunternehmer*innen, Geschäftsführer*innen, Führungskräfte oder sinnsuchende Menschen, die neue Projekte in und mit Unternehmen anstoßen wollen. Und die niemanden haben, mit dem sie wirklich ehrlich und mit Abstand darüber sprechen können. Der dreijährigen Tochter in der Sandkiste ist es herzlich egal, ob der Chef das Transformationsprojekt abgeschmettert hat, und auch der Partner zuhause kann die Ups und Downs der Personalknappheit nicht ganz nachvollziehen. Die desillusionierten Kolleg*innen wollen nach dem x-ten Schubladenprojekt nix mehr von neuen Kulturprojektideen hören und der Vorgesetzte glaubt, New Pay ist eine Glamrock-Band aus den 1970ern.

Doch was, wenn all die Gleichgesinnten sich dazu mal austauschen könnten - in einem intimeren Rahmen als es LinkedIn zulässt? Und nicht nur zu Tools und Methoden - sondern auch zu persönlichen Erfahrungen und Themen, zu Irrungen und Wirrungen und Errungenschaften? Mir schwirrte eine Community im Hinterkopf herum, in der man sich virtuell und in kurzen Sequenzen mit Gleichgesinnten trifft, zu spannenden Fragen des Arbeitslebens reflektiert, sich gegenseitig mit Tipps und Erfahrungswerten weiterhilft und dann auch noch mit Podium-Talks Fragen an renommierte Gäste stellen kann. Vorerst dachte ich, sei es doch eine gute Idee, einen physischen Stammtisch in Wien ins Leben zu rufen. Innerhalb von wenigen Tagen hatte ich nach einem kurzen LinkedIn-Aufruf 15 Menschen in einem Wiener Lokal aus HR, Coaching und New Work Expertise versammelt, beim nächsten Mal waren es 25. Monatlich in wechselnden Lokalitäten, um die Wiener Gastwirtschaft ein wenig zu unterstützen, und ohne großes fachliches Brimborium - einfach mal Menschen mit ähnlichen Werten und Zielen treffen, sich verbinden und einander persönlich kennenlernen. Stichwort: der ganze Mensch zählt, nicht seine Funktion. Klar, das ist Bubble-Building - aber irgendwo müssen wir doch starten, wenn wir uns selbst und die neue Arbeitswelt weiterbringen wollen?

Die Beziehungen zählen

Die Begegnungen beim NewWorkStories-Stammtisch sind jedes Mal unglaublich bereichernd - nicht nur fachlich, sondern vor allem auch sozial. Das ist mehr als schnödes Networking, es geht um echten Beziehungsaufbau. Dennoch ließ mich die Idee, zusätzlich eine virtuelle Community über physische Grenzen hinweg zu erschaffen, nicht los: ein Hub, ein Safe Space, in der all die fabelhaften Menschen sind, die ich in den vergangenen Jahren seit der Gründung von Newworkstories.com virtuell und persönlich kennenlernen durfte. Die die Arbeitswelt modernisieren und menschlicher gestalten, die BrückenbauerInnen sind, selbst den Wandel initiieren und begleiten. Was kann daraus entstehen, wenn man diese geballte Fachkompetenz und intrinsische Motivation an einen Ort zusammenbringt? Klar, es gibt diverse LinkedIn- und Facebook-Gruppen zu NewWork-Themen. Doch irgendwie fehlte mir der persönlich tiefergehende Austausch in Kleingruppen.

Mein Entschluss war klar - nur wie konnte ich ihn in einen Rahmen bringen? Ich begann zu recherchieren, stieß bald auf US-amerikanische Startups, die fancy Community-Plattformen feilboten, zum Teil zu horrenden Preisen und eben auch nicht DSGVO-konform. Anfang November wollte ich schon aufgeben, als ich ein letztes Mal über Google nach einem deutschsprachigen Äquivalent suchte. Und plötzlich poppte wie aus dem Nichts coapp auf: ein junges Software-Startup rund um Hardy Seiler und die Gründer der bekannten "Hafven" Coworking Spaces in Hannover, das mit coapp eine Community Software für Communities und Coworking Spaces entwickelt hat. "Beim Aufbau der Hafven Innovation Community haben wir festgestellt, dass sich die Art und Weise, wie Gemeinschaften heute funktionieren, weiterentwickelt hat – nicht aber die Community-Plattformen, auf denen sie aufgebaut werden", erzählte mir Hardy Seiler beim virtuellen Kaffee-Austausch. Da keine Software in Sicht war, um dieses Problem zu lösen, machten sie sich selbst an die Lösung. "Mit coapp wollen wir das Betriebssystem für kollaboratives Arbeiten und Teilen entwickeln, um Gemeinschaften auf der ganzen Welt zu unterstützen, die diese glänzende Zukunft der Arbeit vorantreiben", so Hardy. Mit coapp können Communities ihre Mitglieder verbinden, sie können chatten, posten und Räume oder Maschinen buchen. Auch Monetarisierung ist so über Mitgliedschaften und Buchungen möglich. coapp funktioniert als White-Label-Lösung, "alles an einem Ort und unter der eigenen Marke", sagt Hardy Seiler. So begann unsere Kooperation quasi über Nacht.

Einfach machen!

Ich hatte mit coapp also die Lösung gefunden, die mir vorschwebte. Erst wollte ich das Grundgerüst selbst aufbauen - und da coapp selbst noch in der Beta-Phase ist, gibt es einiges mitzubedenken und zu adaptieren. Doch ich konnte es kaum erwarten und habe jetzt schon einige Menschen aus meinem Netzwerk als Testuser eingeladen. Es ist doch viel besser, sie mitgestalten zu lassen! Die Reaktion ist bisher sehr positiv, das Bedürfnis zur tieferen Vernetzung abseits von Selbstdarstellung, Sales und Vertrieb wie auf klassischen Business-Netzwerken scheint groß. Ich will, dass Menschen sich persönlich und tiefgehend auf Augenhöhe austauschen, voneinander in Peer-Formaten lernen und sich gegenseitig empowern. Dass sie durch andere größer werden und wirken als bisher!

Communities sind die Zukunft der Arbeitswelt - gerade auch wegen der Pandemie, die uns alle näher zusammenrücken ließ. Denn wo komplexe Umwälzungen und Ungewissheiten auf uns zu kommen, können wir einander in geschützten Räumen stärken und uns weiterbringen. Ein Social Network kann hier aus meiner Sicht den Rahmen bieten - soll aber nicht noch weiter zur digitalen Überforderung und Ablenkung beitragen. Diese Community soll kein belangloser Zeitfresser in den Untiefen des oberflächlichen Geplänkels und der marketingtechnischen Selbstinszenierung der anderen sein - sie soll Zeit spenden, um das Richtige zu tun, um Rückhalt und wertvolles Feedback von den Peers zu erhalten. Das ist ein Spagat. Die Frage, die sich mir stellt, ist: Wie kriegen wir konzentrierte Aktivitäten in die Community - und eine Verbundenheit in einen Safe Space, ohne sich in Ablenkungen zu verlieren? Wie können Mitglieder den größten Nutzen daraus ziehen und sich selbstverantwortlich und in Eigeninitiative einbringen und gemeinsam Neues entstehen lassen?

Klar ist mir: aller Anfang ist schwer. Ein neues Tool in der Betaphase ist immer gewöhnungsbedürftig. Wenn es noch keine Diskussionen in den Foren gibt, traut sich keiner den ersten Schritt zu machen. Und die Lust vergeht auch schnell, wenn das Tool nicht intuitiv bedienbar und niederschwellig ist.

Daran arbeiten wir. Die ersten virtuellen Events gibt es in meinem Hub bereits - und das wird auch ein Herzstück sein: der persönliche virtuelle Austausch in Kleinstgruppen, in kurzweiligen Einheiten, mit knackigen Take-Aways zum Umsetzen. Und: wir gestalten mit den Usern gemeinsam!

Vorerst geplant ist:

* ein montäglicher Kickstarter für den gemeinsamen Start in die Arbeitswoche

* der Ideation Friday, an dem wir in einer Stunde gemeinsam Lösungen und Ideen für die persönliche Arbeits-Challenge der Teilnehmenden finden

* ein monatlicher Live-Podcast mit Gästen und die Möglichkeit für Q&A Fragen

Das Cambridge Dictionary bezeichnet einen "Hub" übrigens als "the central or main part of something where there is most activity". Genau das ist meine Vision. Wer von euch hat Lust, mitzumachen?

Du treibst New Work voran? Komm als Tester*in in den Beta-HUB und gestalte die neue Arbeitswelt in der Community mit! Bis Ende März läuft der Hub im kostenlosen Probebetrieb! Melde dich via Mail mit Betreff "HUB" bei mir und du erhältst ein persönliches Onboarding: nicole@newworkstories.com

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Beitrag von Nicole Thurn

ist Herausgeberin von Newworkstories.com, New-Work-Enthusiastin und langjährige Journalistin mit einem kritischen Blick auf die neue Arbeitswelt.

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